Abschiedsmarathon an der Rheintalschule

Nach der offiziellen Feier zur Verabschiedung von Sonderschulrektorin Petra Siegel-Porer und Einführung ihres Nachfolgers Axel Stöhr (wir berichteten) versammelte sich die Schulgemeinschaft der Rheintalschule am letzten Schultag erneut, um gleich vier Urgesteinedes Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums mit Förderschwerpunkt Lernen mit einem rauschenden Fest in den Ruhestand zu verabschieden.

„Eine Ära geht zu Ende“. Mit diesen Worten begrüßte der mit nicht zu überbietender Kreativität durch das Programm führende Sonderschullehrer Thomas Kister die Schulgemeinschaft nach einem fetzigen Cowboytanz der Klassen 3 und 4 im Schulhof.

„Vier alte Haudegen haben genug geackert und geschafft. Sie wollen wir heute nicht in die ewigen Jagdgründe sondern in die ewigen Ferien entlassen.“

In einem Rückblick in die Zeit ohne Smartphone, Internet und Facebook versetzte der Moderator die Festgesellschaft  vor den Schwarzweiß-Röhrenfernseher zu Robert Lembkes heiterem Ratespiel „Was bin ich?“ und hielt für das vierköpfige Rateteam, die zu verabschiedenden Sonderschulrektorin Petra Siegel-Porer, die Pädagogen Brigitte Maag, Sylvia von Deschwanden und Joachim Auer, drei Überraschungsgäste – ehemalige Mitarbeiter der Rheintalschule – bereit.

Sage und schreibe 36 Jahre unterrichtete Lehrerin Brigitte Maag in der Grundstufe des SBBZ und führte unzählige Erstklässler in das Schulleben ein. Bereits 1983 wurde die Grundschullehrerin an die Sonderschule gerufen und vertiefte ihre Erfahrungen in Zeiten des damaligen Sonderschullehrermangels mit Fortbildungen zur Förderung lernschwacher Kinder. Mit einem Buchstabenspiel und dem Danke-Song „Das Lied über Dich“ überreichten die Kleinsten der Rheintalschüler ihrer scheidenden Lehrerin eine Vielfalt von Überlebensgeschenken für die geplante Wandertour durch Schottland. „Weil i di moaag“ in Anlehnung an einen alten Schlager – hiermit verabschiedeten sich Kollegen in einem heiter-traurigen Gedicht von Frau Maag.

Seit 1992 prägte Sonderschullehrerin Sylvia von Deschwanden Generationen von Schülern an der Rheintalschule. In hoher Verantwortung und mit viel Herzblut bot die Sonderpädagogin ihren Grundstufenklassen nicht nur einen excellenten motivierenden Unterricht sondern führte ihnen  in zahlreichen außerunterrichtlichen Unternehmungen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung in der Natur vor Augen. Ihre Verbundenheit mit der Rheintalschule lebte Frau von Deschwanden über viele Jahre als Mitglied und 2. Vorsitzende der Fördergemeinschaft, über die sie die Psychomotorik und die Soziale Gruppenarbeit mitorganisierte, als Mentorin, Frauenansprechpartnerin und Schulkonferenzmitglied.

Mit „Yokoso“ –„Herzlich willkommen“ – wurde die Lehrerin von Moderator Thomas Kister zur Bühne auf den Abschiedsthron gebeten, um von ihrer Klasse mit Boomwackers in das ferne Land Japan entführt zu werden „Im Ruhestand bist Du bald in andrem Land“.

Sonderschullehrer Joachim Auer hinterlässt als 3. „Urgestein“ seit 1992 ebenfalls große Spuren an der Rheintalschule. Mit der Erfahrung aus seiner zwischenzeitlichen Tätigkeit an der „Erziehungshilfeschule Stulz von Ortenberg“  stand der Sonderschullehrer für die Schüler mit den größten Sorgen und Nöten genauso wie als Sicherheitsberater ein. „Wie ein in der Natur liegender Stein, der über 10 000 Jahre durch Sonne, Wind und Regen verändert wird, hast Du als steter Tropfen Deine Schüler geformt“, so die wertschätzenden Worte und eine „Space Oddity“ mit Gitarre von Thomas Kister. „Mit monströsem Stimmumfang“ erzog er seine großen Klassen. Seine letzte Klasse verabschiedete sich dementsprechend mit einem glamourösen Sprechspiel.

Vier Jahre über den regulären Pensionseintritt hinaus hatte Herr Auer seinen Dienst an der Rheintalschule verlängert und immer noch „war sein kehliges Lachen zu hören“. Der Schülerchor bedankte sich dafür mit dem Lied „Lachend kommt Herr Auer über den Flur.“

Mit froher lautstarker Unterstützung der gesamten Schülerschaft überreichte Sonderschulrektorin Petra Siegel-Porer zu Paulchen Panthers „Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?“ ihren drei Kollegen die Urkunden zum Eintritt in den Ruhestand, bevor sie zu guter Letzt selbst als Königin auf dem Thron Platz nehmen musste.

Nach dem bewegenden Chorbeitrag für die scheidende Ära „Dich schickt der Himmel, Du bist ein Geschenk, mein Herz sagt danke, wenn ich an Dich denk“ gaben die Schüler aller Klassen über das „MoviStar-Unternehmen“ der Rheintalschule mit einem selbst gedrehten Film „Wie Du bist aus Schülersicht“ herzliche Rückmeldungen an ihre Schulleiterin.

Als große Überraschung hatte Musiklehrer Sebastian Durst seinen Bandkollegen Alex Kunz eingeladen und bot der scheidenden Rektorin mit „My way“ und „Stand by me“ einen für die Schulgemeinschaft berührenden Abschied.

Gleichzeitig lachend und tränenreich „Wir sehen uns wieder“ wurden die Schüler in die Ferien geschickt.